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Kanu, Kajak oder Kanadier für Anfänger?

Na, juckt es dir in den Fingern?

Willst du nach Jahren auch endlich mal die Gewässer in der Nachbarschaft erkunden?

Oder suchst du einfach nach einem coolen neuen Wassersport?

Kanus, Kajaks oder Kanadiern sind schon mal eine tolle Wahl. Aber welches Boot ist einsteigerfreundlich? Sind Kanus, Kajaks oder Kanadier für Anfänger geeignet?

Kanus und Kajaks haben jeweils Vor- und Nachteile. Für Anfänger sind Kajaks besser geeignet, weil die Paddeltechnik einfacher erlernbar ist. Weiterhin sind die Boote kleiner und einfacher zu transportieren. Mit Kajaks lassen sich höhere Geschwindigkeiten erreichen und sollte das Kajak kentern, versinkt es nicht.

Bevor wir tiefer in die Materie einsteigen, müssen wir klarstellen, was mit den Begriffen eigentlich gemeint ist. Unter einem Kajak und einem Kanu können sich die meisten etwas vorstellen.

Kajaks sind schmale Boote mit einem spitz laufendem Bug, die mit einem Doppelpaddel gefahren werden. Viele Leute glauben, dass ein Kanu genau das Gegenstück dazu ist, das mit einem einseitigen Paddel gefahren wird. Tatsächlich ist „Kanu“ nur der Überbegriff für Kajaks und Kanadier. Bei letzterem handelt es sich um ein offenes Kanu, das sitzend oder kniend mit einem Stechpaddel gefahren wird.

Sprich: Wer von einem „Kanu“ spricht, meint oft eigentlich „Kanadier“.

Statt zu fragen, of ein Kanu oder Kajak für Anfänger besser geeignet ist, sollte die Frage lauten: Sind Kanadier oder Kajaks besser für Anfänger geeignet?

Auf den ersten Blick unterscheiden sich Kajaks kaum von Kanadiern. Es scheint so, als ob die Boote gleich seien und sich lediglich die Fahrtechnik unterscheid. Schaut man allerdings genauer hin, fallen zahlreiche Details und fundamentale Unterschiede auf. In diesem Artikel gehen wir genauer auf diese Differenzen, und die jeweiligen Vor- und Nachteile der einzelnen Kanus ein.

Die Geschichte von Kajaks und Kanadiern

Geschichtlich lassen sich Kajaks und Kanadier Tausende Jahre zurückdatieren. Der Ursprung und der Grund der Nutzung der beiden Arten von Kanus ist allerdings ein anderer.

Die genaue Ermittlung der Herkunft von Kanadiern ist nur schwer bestimmbar. Forscher gelangen Funde von circa 8.000 Jahren Booten in Afrika und China. Der älteste gefundene Kanadier wird allerdings auf 10.000 Jahre geschätzt und wurde in den Niederlanden gemacht.

Kanadier wurden meistens aus ganzen Baustämmen hergestellt. Die Stämme wurden dafür mit Äxten und anderen Werkzeugen nach und nach ausgehöhlt.

Funde in Nordamerika weisen allerdings auf eine andere Herstellungsmethode hin. Die geborgenen Boote bestehen aus einem Holzgestell und Birkenrinde. Die Materialien wurden mittels Baumharz zusammengeklebt.

Der Ursprung der Kajaks lässt sich besser zurückverfolgen. Heutzutage sind Wissenschaftler davon überzeugt, dass die Inuit zuerst auf Kajaks fuhren. Andere Völker wie die Aleuten oder die Ainu nutzen auch bereits Kajaks.

Das genaue Design variiert von Region zu Region. Die ersten Kajaks wurden allesamt per Hand hergestellt. Häufig kam bei der Fertigung Holz für das Gestell und die Hau von Seerobben als Außenhülle zum Einsatz. Diskussionen gibt es darüber, ob auch Walknochen anstelle des Holzes verwendet wurden.

Die leichten und schmal gebauten Kajaks wurden von den einheimischen Völkern vor allem für das Fischen und die Jagd genutzt. Hingegen dienten Kanadier vorwiegend dem Transport von Menschen und Gütern.

Die unterschiedlichen Designs von Kajaks und Kanadiern

Für Kajakanfänger oder von weitem sehen Kanus und Kanadier ähnlich aus. Besonders Sit-on-Top Kajaks und Kanadier liegen recht nahe beieinander. Im direkten Vergleich fallen allerdings eine Reihe von Unterschieden zwischen Kanadier und Kajaks auf.

Kajaks sind schmaler gebaut und laufen häufig spitz zu. Das führt zu höheren Geschwindigkeiten und macht Kajaks agiler im Wasser. In Kajaks wird auf dem Boden gesessen. Die Beine werden einfach ausgestreckt. Gepaddelt wird mit einem doppelseitigen Paddel, was für mehr Effizienz und Tempo sorgt.

Die Bauweise von Kajaks unterscheidet sich auch untereinander. Es gibt zwei Kategorien von Kajaks: Sit-in und Sit-on-Top Kajaks. Von beiden Varianten gibt es Modelle für eine bis drei Personen sowie Ableger als festes Boot und Inflatable.

Sit-in Kajaks sind die klassische Variante. Wenn Leute an Kajaks denken, kommt ihnen meistens ein Bild eines solchen Modells in den Sinn. Bei Sit-in Kajaks ist das Deck abgeschlossen und die Paddler sitzen in einem Cockpit. Die Beine werden im Innenraum des Bootes ausgestreckt, sodass lediglich der Oberkörper aus dem Kajak hervorschaut.

Heutzutage werden allerdings mehr Sit-on-Top Kajaks verkauft. Das Oberdeck dieser Kanus ist offen, was sie zu einer guten Wahl für Hobby-Paddler, Kajakangler und jeden, der vorrangig auf ruhigen Gewässern unterwegs ist, macht. Gesessen wird bei Sit-on-Top Kajaks auf einem Sitz, der sich im Lieferumfang befindet.

Kajaks lassen sich weiterhin abhängig vom Einsatzgebiet und von der Bauweise in spezielle Typen wie Allround Kajaks, Touring Kajaks, Angelkajak, aufblasbare Kajaks, Kajaks für Meere, Wildwasserkajaks und viele mehr unterteilen. Hier würde das allerdings zu weit führen.

Kanadier wiegen etwas mehr und sind größer als Kajaks. Alle Kajaks verfügen über ein offenes Deck und sitzen tun die Paddler auf einer fest montierten Bank, sodass die Sitzposition höher als bei Kajaks liegt. Ein Canadier wird mit einem Paddel gefahren, das nur auf einer Seite ein Paddelblatt hat. Das Paddeln ist etwas anspruchsvoller, weil nicht auf beiden Seiten gepaddelt wird, sodass die Paddelseite ständig gewechselt werden muss.

Genau wie Kajaks werden Kanadier anhand ihrer speziellen Eigenschaften und ihres jeweiligen Einsatzgebiets in diverse Untertypen unterteilt. Zu den bekanntest Typen von Kanadiern zählen Allround Kanadier, Wildwasser Kanadier und Racing Kanadier.

Vor- und Nachteile von Kajaks und Kanadiern

Nachdem du die Unterschiede im Design verstanden hast, fällt es dir bestimmt schon einfacher, dich für ein Kajak oder einen Kanadier zu entscheiden. Als zusätzliche Hilfe gehen wir im Folgenden auf die Vor- und Nachteile beider Kanuarten ein.

Stabilität

Kajaks sind sind schmal gebaut, was sich positiv auf die Geschwindigkeit auswirkt. Das Mehr an Tempo geht allerdings auf Kosten der Stabilität. Anfänger auf Kajaks mit geringer Breite oder Kajakfahrer in unruhigen Gewässern können da schon mal kentern. Besonders Einsteiger in den Kajaksport müssen daher das Rollen mit dem Kajak (Eskimorolle) beziehungsweise das Befreien aus Sit-in Kajaks üben.

Die breite Bauweise verleiht Kanadier viel Stabilität. Die Chance mit einem Canadier zu kentern, ist recht gering. Der große Nachteil ist jedoch: Kentert der Kanadier erst einmal, schwimmt das Boot nicht wie ein Kajak – es versinkt.

Transportierbarkeit

Kajak wiegen weniger als Kanadier. Aus diesem Grund ist der Transport von Kajaks weniger aufwändig. Feste Kajaks aus Materialien wie Glasfaser sind sehr leicht und können ohne allzu große Anstrengungen auf Dachgepäckträgern transportiert werden. And Land hilft ein Kajak Trolley beim Transport des Boots. Aufblasbare Kajaks passen zusammengerollt sogar in einen Rucksack. Zum Wasser kommst du dadurch selbst mit den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Kanadier wiegen mehr und sind größer als Kajaks. Alleine kann das Boot kaum auf die Dachgepäckträger gehievt werden. Kleine Autos halten dem Gewicht womöglich auch nicht stand. Üblicherweise werden Kanadier in einem Anhänger fürs Auto transportiert und dann wie Kajaks mit einem Kajak Trolley zum Wasser gebracht.

Stauraum

Abhängig vom genauen Modell kann der Raum auf einem Kajak sehr limitiert sein. Mache dir daher ein paar Gedanken beim Packen. Zu umfangreich sollte deine Ausrüstung nicht sein. Viele Kajaks bieten Freiräume für das Verstauen von Gepäck. Einige (teurere) Kajaks kommen auch mit einer oder mehreren wasserdichte Stauluken daher, in denen Ausrüstung, Proviant etc. Platz findet. Tandem Kajaks sind für das Gewicht und das Gepäck von zwei Paddlern ausgelegt. Auf diesen Booten findest du entsprechend mehr Möglichkeiten, ein Drybag oder Ausrüstung zu verstauen.

Für Fahrten mit viel Gepäck an Bord sind Kanadier besser geeignet. Auf den großen Booten findet sich immer genügend Platz. Die Camping-Ausrüstung, Wechselsachen und der Proviant für eine mehrtägige Kanutour können unproblematisch im Bug, Heck und unter den Sitzen eines Kanadiers verstaut werden.

Komfort

Die Rückenlehne bei Kajaks sorgt für mehr Komfort. Der mitgelieferte Sitz ist allerdings oft nicht sehr angenehm. Mit extra Kissen machen sich viele Paddler den Sitz daher bequemer oder ersetzen diesen durch ein anderes Modell. Beim Kajakfahren werden die Beine durchgestreckt. Auf längeren Touren kann diese Haltung unangenehm werden. Daher ist genügend Beinfreiheit ein entscheidendes Kaufkriterium bei Kajaks.

Die hölzernen Sitzbänken von Kanadiern bieten keine Rückenlehne. Auch das Sitzen auf den Bänken kann daher nach einiger Zeit unangenehm werden. Das offene Deck und die höher gelegenen Sitze sorgen allerdings für viel Bewegungsfreiheit. Kanadierfahrer können die Sitzposition einfach ab und zu ändern.

Effizienz beim Paddeln

Kajaks werden mit einem Doppelpaddel gefahren. Für Anfänger ist das Erlernen des Paddelschlags beim Kajak deutlich leichter. Bereits nach einer Stunde haben Einsteiger die Grundlagen erlernt und navigieren sicher über das Wasser. Fortgeschrittene Paddeltechniken sind allerdings trotzdem eine Herausforderung.

Auf Kanadiern paddeln die Sportler mit einem normalen Paddel, das über nur ein Paddelblatt verfügt. Wer eine gerade Linie fahren will, muss daher stets zwischen den beiden Seiten des Boots wechseln. Die Paddeltechnik ist für Einsteiger schwierig erlernbar. Anfänger neigen dazu, im Zickzackkurs zu fahren.

Kajak oder Kanadier: Was ist besser für mich geeignet?

Die Unterschiede in der Bauweise sind nun geklärt. Aber sind nun Kajaks oder Kanadier besser für dich geeignet. Die Entscheidung hängt im Wesentlichen von vier Faktoren ab: Deiner Erfahrung im Paddelsport, deinen Transportmöglichkeiten, dem Einsatzgebiet und der Menge an Ausrüstung.

  • Erfahrung: Einsteiger in den Paddelsport greifen besser zu einem Kanadier. Diese Kanus sind breiter gebaut und bieten daher mehr Kippstabilität. Beachtet werden muss allerdings, dass wenn die Boote doch kentern, es schnell problematisch wird. Im Gegensatz zu Kajaks schwimmen nämlich Kanadier nicht.
  • Transportmöglichkeiten: Deine Möglichkeiten, dass Kanu zu transportieren, können ein K.O.-Kriterium sein. Der Transport eines großen, schweren Kanadiers ist teilweise nur mit einem Kajakanhänger fürs Auto möglich. Bei Kajaks reichen hingegen fast immer Dachgepäckträger auf dem Auto. Auch das Tragen vom Parkplatz zum Wasser ist mit einem Kajak einfacher. Aufblasbare Kajaks sind extrem komfortabel im Transport. Es reicht bereits ein großer Rucksack.
  • Einsatzgebiet: Die Erreichbarkeit des Gewässers ist auch wichtig. Bei schlecht erreichbaren Gebieten sind die leichteren und schmaleren Kajaks besser geeignet. Zudem ist bei Kajaks die Auswahl größer. Für Wildwasser gibt es spezielle Wildwasser Kajaks. Längere Touren lassen sich am besten in Touring Kajaks absolvieren. Bei Kanadiern fehlt diese breite Auswahl.
  • Menge an Gepäck: Für kurze Trips ist die maximale Menge an Gepäck nicht entscheidend. Kanufahrer, die mehrtägige Touren planen, benötigen allerdings weit mehr Proviant und Ausrüstung. In der Theorie sind Kajaks daher die bessere Wahl für kurze Touren und Kanadier sollten für die richtigen Abenteuer eingesetzt werden. Tatsächlich ist die Durchschnittsgeschwindigkeit von Kajaks höher, was lange Trips erleichtert und die Fahrtzeit verkürzt. Vielleicht brauch es dann auch gar nicht so viel Gepäck.

Fazit

Und? Sind nun Kajaks oder Kanadier besser für Anfänger geeignet?

Die Wahrheit ist, dass es keinen klaren Sieger gibt. Stellt man die Frage an Kajakfahrer oder an Fans von Kanadiern, bekommt man verschiedene Antworten zu hören. Schnell kommen ganze Liste von Vorteilen von Kajaks sowie Nachteilen von Kanadiern oder es läuft genau andersherum.

Fakt ist, dass beide Kanuarten ihr Für und Wider haben. Ein Blick auf die Unterschiede hilft dir womöglich weiter. Die Möglichkeiten, das Kanu zu transportieren sind ein echtes K.O.-Kriterium.

Wer über kein Auto verfügt, muss zum aufblasbaren Kajak greifen. Wassersportler mit einem kleinen Auto ohne Kajakanhänger setzen am besten auf ein Kajak. Nur Paddler mit einem großen Auto, auf das Dachgepäckträgern montiert sind,  hat die Wahl zwischen Kajaks und Kanadiern.

Die Geschwindigkeit von Kajaks ist höher, dafür büßen diese Kanus etwas an Stabilität ein. Im Gegensatz zu Kanadiern schwimmt allerdings selbst ein gekentertes Kajak, was insbesondere für Einsteiger wichtig ist. Die Paddeltechnik im Kajak ist zudem einfacher erlernbar, was insbesondere Anfängern zu Gute kommt.

Dem durchschnittlichen Eisteiger, der gerne kleinere Touren veranstaltet oder ganz neu im Kanusport ist, raten wir daher zu einem Kajak für den Anfang. Spezielle Anfängerkajaks sind extra breit gebaut und bieten ein hohes Maß an Stabilität. Viele dieser Modelle sind zudem aufblasbar, was den Aufwand für den Transport und die Lagerung deutlich reduziert.


Quellen

[1] https://www.kanuten.com/alles-%C3%BCber-kanus/kanutypen-und-formen/materialtypen/

[2] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/publikation/long/2220.pdf

[3] https://www.welt.de/reise/nah/article180207792/Schweden-Eine-Paddeltour-mit-dem-Kajak-durch-Vaermland.html

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