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12 wichtige Regeln für Kajak im Winter

Auf den ersten Blick scheint Kajakfahren im Winter ungewöhnlich. Die kalte Luft und das noch kältere Wasser schrecken sicher viele Paddler ab. Mit der richtigen Vorbereitung und der passenden Ausrüstung steht allerdings einer winterlichen Tour nichts im Wege.

Belohnt werden die Mutigen mit einzigartigen Einblicken in wunderschöne Winterlandschaften. Schnee bedeckt die Ufer, einzelne Eisschollen ragen ins Wasser und eine durchdringende Stille liegt über dem See. Ihre Erfahrungen müssen Kanufahrer im Winter nicht mit anderen Wassersportlern teilen, denn außer einzelnen Winterpaddlern ist häufig niemand anderes auf den Seen und Kanälen unterwegs.

Das Überwinden des inneren Schweinehunds ist die eine Sache. Mit der richtigen Ausrüstung unterwegs zu sein, ist die andere. Neoprenanzug an und ab zum See? So einfach ist es (leider) nicht.

Das Tragen der richtigen Kleidung ist die Grundvoraussetzung für eine Kajaktour im Winter. Die Kajak Ausrüstung muss auf die kalten Temperaturen abgestimmt sein, ansonsten wird es unangenehm und gefährlich.

Mit diesem umfangreichen “Kajak im Winter” Ratgeber beantworten wir alle offene Fragen bezüglich dieser Thematik, sodass auch du einen tollen und sicheren Trip hast. Intensiv gehen wir auf die nötige Ausrüstung und einige Sicherheitsaspekte ein.

Regel #1: Eine Kopfbedeckung ist ein Muss

Für Kajaktouren bei kühlen Temperaturen ist das Tragen einer Kopfbedeckung Pflicht. Der Körper gibt viel Wärme über den Kopf ab, entsprechend ist ein Mütze empfehlenswert.

Für Anfänger, Fortgeschrittene sowie für Wildwasserpaddler gehört auch das Tragen eines Kajakhelms dazu. Ohne einen Helm kann eine Kollision mit einem Felsen schnell zu einer lebensgefährlichen Situation werden. Der Helm sorgt zusätzlich für Wärme und schützt dich zugleich vor dem kalten Spritzwasser.

Am besten sind Mützen geeignet, die sowohl unter einen Helm passen als auch die Ohren abdecken (einen weiteren neuralgischen Punkt). Unser Erfahrung nach sind Fleece- und Neopren-Mützen am besten geeignet.

Regel #2: Das richtige Schuhwerk

Flipflops, Sandalen oder Badelatschen sind schon im Sommer keine geeigneten Schuhe zum Kanufahren. Bei sommerlichen Temperaturen ist dies weitgehend unproblematisch, im Winter ist falsches Schuhwerk jedoch schnell ungemütlich oder führt im schlimmsten Fall zu Erfrierungen.

Tue dir also einen Gefallen und besorge dir Neoprenschuhe beziehungsweise Wassersportschuhe oder ziehe dir mindestens dicke Woll- oder Neoprensocken an. Wähle entsprechend Schuhe fürs Kajakfahren im Winter aus, in die du mit den dicken Socken passt.

Regel #3: Schütze deine Hände

Kalte Hände sind vermutlich der schnellste Weg wie eine gemütliche Tour zu einer miserablen Erfahrung werden kann. Sich nur noch mit halb gefrorenen Händen am Paddel festklammern, ist wahrlich kein Spaß.

Ohne ein dickes Paar Handschuhe geht nichts. Dick gepolsterte Handschuhe schützen deine Finger vor dem Erfrieren. Die besten Handschuhe für Kajakfahrten im Winter sind leicht, dünn und komfortabel. Am besten greifst du auf Modelle aus Nylon oder Neopren zurück. Einige Modelle sind zudem mit einem wärmenden Futter aus Fleece ausgestattet.

Regel #4: Trage eine Rettungsweste

Die Sicherheit steht beim Kanufahren im Winter an erster Stelle. Mit unseren Ratgeber wollen wir, dass du Spaß auf deine Trips hast und dabei stets sicher bist. Aus diesem Grund raten wir allen Anfängern, Fortgeschrittenen, Wildwasserpaddlern und allen, die sich in kalten Gewässern rumtreiben zum Tragen einer Rettungsweste.

Im eiskalten Wasser ist es bereits schwierig, wieder in das Kajak zu klettern, nachdem du gekentert bist. Eine Rettungsweste hilft dir dabei, weil es die Panik aus dem Moment nimmt. Die Westen halten dich über Wasser. Im absoluten Notfall wie zum Beispiel einer Kollision mit einem Fels mit anschließender Ohnmacht dreht die Rettungsweste dein Gesicht nach oben und hält dieses an der Oberfläche.

Einen Felsen und ein Missgeschick braucht es dabei gar nicht. Das kalte Wasser in den Wintermonaten wird schnell selbst zur Gefahr. Bei einem Sturz ins kalte Wasser steigen sofort Puls und Blutdruck an. Der Körper reagiert mit unkontrollierten Bewegungen und einer hektischen Atmung. Bei jedem, der sich länger im Wasser aufhält, verengen sich die Blutbahnen in den Extremitäten.

Das ist eine Notfallreaktion des Körpers, um die Körpertemperatur aufrecht zu erhalten, allerdings bewirkt dies auch, dass die Kontrolle und die Kraft in den Armen und Beinen nachlässt. Das Schwimmen wird immer schwieriger. In kaltem Wasser fällt es selbst geübten Schwimmern schwer, sich für länger als 30 Minuten über Wasser zu halten.

In Gefahrensituationen ist eine Rettungsweste ein echter Lebensretter. Für uns gehört eine Rettungsweste einfach dazu, schließlich wollen wir beim Kajakfahren keine Risiken eingehen und empfehlen dir dringend, es ebenfalls nicht zu tun.

Wer auf unseren Rat nicht hören will, sollte sich mindestens eine Schwimmweste, die Auftriebshilfe bietet, zulegen. Diese Westen unterstützen dich dabei, an der Wasseroberfläche zu bleiben. Ist das Kajak gekentert, ist das besonders hilfreich, weil du dann mehr Kraft auf das Umdrehen des Kajaks verwenden kannst und dich weniger auf das Schwimmen konzentrieren musst.

Regel #5: Nach dem Zwiebel-Prinzip kleiden

Die Kälte ist mit der richtigen Kajak Kleidung kein Problem. Wir empfehlen das Einkleiden nach dem altbewährten Zwiebelprinzip. Abhängig von der Temperatur wird die Anzahl und die Dicke der Schichten festgelegt.

Die Wassertemperatur ist dabei wichtiger als die Lufttemperatur. Gemäß des Leitsatzes „Dress for water, not for air“ muss die Kleidung auf die Wassertemperatur abgestimmt sein.

Die erste Schicht, die auf dem Körper liegt, sollte aus einem leichten, atmungsaktivem Material sein, der zudem schnell trocknet. Eine oder mehrere wärmende Schichten (Thermounterschäsche, Fleece-Pullover etc.) halten deinen Körper auf der Kajak-Tour warm.

Als oberste Schicht solltest du unbedingt auf wasserdichte Kleidung setzen. Ein Trockenanzug oder eine Trockenhose in Kombination mit einer wasserdichter Jacke bieten sich an. Bei beiden Varianten ist unbedingt auf dichte Abschlüsse an den Armen, am Hals und an den Füßen zu achten.

Eine Alternative zum Trockenanzug ist das Tragen eines Neoprenanzugs. Bei der Auswahl ist darauf zu achten, dass der Anzug dir genügend Bewegungsfreiheit im Arm- und Schulterbereich bietet, um deinen Paddelschlag nicht zu behindert. Ein Neoprenanzug wird oberkörperfrei angezogen und auch auf eine lange Unterhose solltest du verzichten, da dies die wärmende Wirkung des Neoprenanzugs beeinträchtigen würde.

Regel #6: Sonnenbrille sind nicht nur im Sommer cool

Eine Sonnenbrille sieht nicht nur cool aus. An sonnigen Tagen können die Reflektionen der Sonnenstrahlen von der Wasseroberfläche wie auch die der weißen Schneelandschaft am Ufer stark blenden. Setze dir am besten eine Sonnenbrille auf, um deine Augen zu schützen. Wir raten zu Modellen, die sich mittels einer Schnur an festmachen lassen. Diese Modelle gehen weniger schnell verloren.

Regel #7: Wärmende Verpflegung darf nicht fehlen

Wer mit dem Kajak im Winter unterwegs ist, sollte stets Heißgetränke wie Tee oder heißes Wasser in einer Thermoflasche mitführen. Im Gegensatz zum Sommer haben in den Wintermonaten viele Gaststätten an Seen und Kanälen geschlossen. Während einer kurzen Pause ist es oft nicht möglich, Getränke oder Essen aufzutreiben.

Aus diesem Grund musst du selbst auf deine Verpflegung Acht geben. Eine große Thermoflasche mit einem heißen Getränk und eine Box mit warmer Suppe sind unsere Favoriten für winterliche Kanutouren.

Regel #8: Ohne gründliche Planung geht nichts

Paddeltouren sollten stets im Vorhinein geplant werde. Im Winter ist allerdings eine weitaus sorgfältigere Planung erforderlich, um das Risiko einer solches Trips zu reduzieren. Wetterverhältnisse können schnell umschwenken. Eine lange Vorausplanung ist meistens nicht möglich und nicht die beste Option.

Am besten planst du deine Tour, die Länge und den Verlauf abgestimmt auf die tagesaktuellen Verhältnisse. Windrichtung, Windstärke, Luft- und Wassertemperatur sollten in deine Planung einfließen.

Wir raten zudem davon ab, bei einer winterlichen Tour erstmals bestimmte Gewässer zu befahren. Bei kalten Außentemperaturen solltest du lediglich durch Seen und Kanäle fahren, die dir bereits aus Touren in den Sommermonaten bekannt sind.

Greife zudem bei der konkreten Routenplanung auf Gewässerkarten, die App canua oder Informationen des Deutschen Kanu Verbands zurück.

Im Winter sind kaum andere Wassersportler unterwegs an Spaziergängern mangelt es meistens auch. In der Regel hast du kaum jemanden, den du nach dem Weg fragen kannst. Nimm also am besten dein Smartphone (in der wasserdichten Handyhülle geschützt) mit und drucke dir zur Sicherheit deine Route auf Papier aus.

Regel #9: Paddel nicht alleine

Aus Sicherheitsgründen ist es gefährlich, bei den niedrigen Temperaturen alleine zu paddeln. Suche dir ein paar erfahrene Kajakfahrer, mit denen du gemeinsam dieses Abenteuer erleben kannst. Lasst euch bei der Planung nicht von einigen Mitgliedern in der Gruppe zu sehr pushen. Am besten richtet ihr Strecke beziehungsweise die Dauer des Trips auf das Mitglied aus, das am wenigsten fit ist.

Regel #10: Behalte das Wetter im Auge

Die Wetterverhältnisse können unvorhergesehen schnell umschlagen. Zahlreiche Apps bieten aktuelle Informationen über die Wetterlage. Als besonders hilfreich erweisen sich solche Apps, die einen Verlauf von Regen- und Gewittergebieten zeigen. Auf diese Weise kannst du ganz detailliert auf die Regionen blicken, in denen du deine Tour planst.

Regel #11: Die Zeit nicht vergessen

Die Einbruch der Dunkelheit kommt früher in der Winterzeit. Bis zur Wintersonnenwende am 21. Dezember geht die Sonne jeden Tag früher unter. Beziehe die Zeit des Sonnenuntergangs in deine Planung ein. Schließlich kann die Temperatur in der Nacht schnell fallen. Einige Gewässer frieren nachts auch teilweise oder ganz zu. Ein Weiterkommen ist dann nicht mehr möglich.

 Regel #12: Bei Gefahr die Tour abbrechen

In einigen Situation ist es erforderlich, die Tour zu beenden. Winterliches Hochwasser kann beispielsweise Hindernisse wie Sträucher, Bäume und Äste ins Wasser spülen. Zudem können Strömungen auftreten, die das Durchfahren von Brücken sehr gefährlich machen.

Ein spontaner Wetterumschlag oder wenn du siehst, dass du es nicht rechtzeitig bis zum Sonnenuntergang zu deinem Ausgangsort zurückschaffst, sind weitere Gründe für das Beenden einer Tour.

In der Planung sollte dies beachtet werden. Am besten ist ein Streckenpunkt nahe einer Ortschaft oder (geöffneten) Gaststätte gesetzt, sodass du im Fall der Fälle die Tour an dieser Stelle abbrechen könntest.

Fazit

Echte Wasserratten kann kaltes Wasser nicht abhalten. Diese Sportler zieht es auch im Winter auf See und Kanäle. Was in der Vorbereitung eines solchen Kajaktrips zu beachten ist, haben wir ausführlich in diesem Kajak im Winter Ratgeber erklärt. Man kann es so sehen: Das falsche Wetter gibt es nicht, nur die falsche Ausrüstung.

Mit der passenden Bekleidung und des richtigen Zubehörs bleibst du warm, sicher und kannst deine Tour in vollen Zügen genießen. Auf diese Weise frierst du nicht und kehrst nicht mit einer Erkältung von der Tour zurück.


Quellen

[1] https://www.canua.info/

[2] https://www.kanu.de/

[3] https://www.dwd.de/DE/leistungen/warnwetterapp/warnwetterapp.html

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