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Kajak: Neoprenanzug oder Drysuit?

Kajakfahrer, die gerne an warmen Sommerabenden, auf Tour gehen, müssen sich nicht viel mit der Frage nach der richtigen Kleidung befassen. Kurze Badesachen, eine Rettungsweste, eine Basecap und eventuell noch eine Sonnenbrille reichen vollkommen aus.

Im Winter und bei kaltem Wasser sieht die Sache schon ganz anders aus. Wer Kajak im Winter betreiben will, sollte sich intensiv mit der Ausrüstung befassen. Frierst oder schwitzt du beim Paddeln wird eine Tour mit dem Kajak schnell zu einer qualvollen Erfahrung, bei der man sich nur das Ende herbeisehnt.

Häufig kommt die Frage nach der richtige Kleidung für winterliche Kajaktouren auf den Vergleich Neoprenanzug vs. Trockenanzug zurück. Zahlreiche Forendiskussionen und Youtube-Videos drehen sich um dieses Thema.

Der Grund dafür ist simpel: Weder sind Neoprenazüge (engl. Wetsuites) eindeutig besser als Trockenanzüge (engl. Drysuits), noch ist dies andersherum der Fall. Tatsächlich hängt die Wahl zwischen Trocken- und Neoprenanzügen stets von den Umständen und deinen persönlichen Präferenzen ab.

Im Folgenden werfen wir einen Blick auf die Unterschiede zwischen Neoprenanzüge und Drysuits aus der Sicht eines Kajakfahrers. Bevor wir damit einsteigen, fragen wir uns aber, warum man einen Trockenanzug beziehungsweise einen Neoprenanzug überhaupt braucht.

Warum braucht man einen Drysuit oder einen Neoprenanzug beim Kajakfahren im Winter?

Viele Wassersportler tragen einen Neoprenanzug unabhängig von der Jahreszeit. Wer im Sommer oder bei einer erträglichen Wassertemperatur mit dem Kajak auf eine Tour startet, braucht allerdings keinen Wet- oder Drysuit. Im Winter ist ein derartiger Anzug hingegen unerlässlich.

Kaltes Wasser ist nicht nur unangenehm, sondern kann auch schnell zur Gefahr für die Gesundheit werden. Abhängig von der Zeit und der Temperatur im Wasser treten erste Symptome einer Unterkühlung (Hypothermie) bereits nach einigen Minuten oder wenigen Stunden auf.

Wenn das Wasser so kalt ist, dass der Körper mehr Wärme abgibt, als er an Wärme produziert, kommt es früher oder später zu einer Unterkühlung. Bereits eine Abkühlung der Körpertemperatur unter 35 Grad Celsius kann zu Gesundheitsschäden oder sogar zum Tod (durch das Versagen lebenswichtiger Organe) führen.

Symptome einer Hypothermie sind ein unkontrollierbares Zittern, Verhärten der Muskeln, Beeinträchtigungen des Urteilsvermögens und das Nachlassen der motorischen Fähigkeiten. Eine Unterkühlung kann auch zu Verwirrung und Orientierungsverlust führen. Diese Einschränkungen verschlimmern die prekäre Situation der Kajakfahrer zusätzlich. Treten erste Symptome auf, wird es schnell lebensgefährlich.

Gerade im Winter will kein Paddler ins Wasser zu fallen. Jeder Kajakfahrer möchte trocken von einem winterlichen Kajaktrip zurückkehren. Selbst erfahrenen Paddlern kann jedoch ein Ungeschick passieren oder das Schicksal meinte es in einem Moment einfach nicht gut mit dir. Ganz unabhängig vom Können kann es zu einem unerwarteten Wassergang kommen.

Der Schreck in dem Moment, in dem du ins Wasser stürzt, wird von der Kälte des Wasser zusätzlich verstärkt. Gewisse physische Symptome einer Unterkühlung können rasch auftreten. Im schlimmsten Fall können mit Herzerkrankungen vorbelasteten Paddler sogar einen Herzstillstand erleiden.

Das Tragen angemessener Kleidung sowie eine mentale Vorbereitung auf den Fall der Fälle ist daher sehr wichtig. Bei winterlichen Temperaturen sind Trockenanzüge und Neoprenanzüge eine große Hilfe. Die Anzüge halten deinen Körper warm – auch wenn du ins eiskalte Wasser fallen solltest – aber wo genau liegt der Unterschied zwischen Trockenanzüge und Neoprenanzügen?

Was ist ein Neoprenanzug?

Neoprenazüge unterscheiden sich grundsätzlich von Drysuits. Das Ziel ist nicht, den Körper trocken sondern dich warm zu halten. Auf diesem Grund werden Neoprenanzüge im Englischen auch als Wetsuits bezeichnet. Neoprenanzüge gibt es in unterschiedlichen Stärken. Anzüge mit einer Dicke von 7 mm isolieren dich besser von der Außenwelt als 3mm dicke Modelle.

Wie funktioniert ein Neoprenanzug?

Neoprenanzüge lassen im Gegensatz zu Trockenanzügen einen Teil des Wasser durch. Die spezielle Struktur des Gewebes hält das Wasser im Inneren des Anzugs. Aufgrund deiner Körperwärme erwärmt sich diese Wasserschicht in kurzer Zeit. Der Film aus warmen Wasser bildet die ideale Isolation gegen die Kälte.

Für Wildwasserfahrer und Tourenpaddler, die sich auch vor Wellen nicht scheuen, sind Neoprenanzüge die bessere Wahl. Ein Sturz ins Wasser und auch das Spritzwasser, der einfallenden Wellen, machen dir wegen deines Neopranzugs nicht viel aus.

Es ist wichtig, einen eng anliegenden Anzug zu wählen. Bei einem zu weiten Neoprenanzug kann das Wasser ungehindert herein- und herausfließen. Eine Wärmewirkung durch die Schicht eingeschlossenes Wassers ist dann kaum gegeben. Der Neoprenanzug muss genügend Bewegungsfreiheit im Arm- und Schulterbereich bieten, um deinen Paddelschlag nicht zu beeinflussen.

Welche Vorteile hat ein Neoprenanzug?

Neoprenanzüge werden von vielen Wassersportlern eingesetzt. Aus diesem Grund gibt eine große Anzahl verschiedener Modelle. Modebewusste Paddler können aus zahlreichen verschiedenen Designs wählen. Bei Trockenanzügen ist die Auswahl hingegen recht eingeschränkt. Andere Varianten wie beispielsweise Lohn Johns erlauben dir, den Neoprenanzug auf die Außentemperatur abzustimmen.

Im Vergleich zu Drysuits bieten Neoprenanzüge mehr Bewegungsfreiheit. Diese Anzüge sitzen enger am Körper an, fühlen sich Bewegungen wesentlich natürlicher an, als es bei einem Drysuit mit mehreren Schichten Kleidung, die du darunter gezogen hast, der Fall ist.

Was ist ein Trockenanzug?

Die Spezialität von Trockenanzügen kann bereits vom Namen abgeleitet werden. Trockenanzüge sind für eine Reihe von Wassersportarten geeignet. Das Prinzip ist dabei immer gleich: Wasserdichte Materialien wie beispielsweise Nylon halten das Wasser ab und dich trocken. Sämtliche Öffnungen an den Armen und Füßen werden eng abgedichtet, sodass dem Wasser keine Chance zum Eindringen bleibt.

Drysuits fürs Kajakfahren sitzen weniger eng als Neoprenanzüge und bieten dir wesentlich mehr Bewegungsfreiheit. Der größte Vorteil der Trockenanzüge wird gleichzeitig zum Problem. Drysuits sind dafür gemacht Flüssigkeiten abzuhalten. Das führt jedoch dazu, dass auch dein Schweiß am Körper kleben bleibt. Einige moderne Modelle kommen jedoch aus atmungsaktiven Materialien daher, die Flüssigkeiten von innen nach außen lassen, aber das Wasser von außen aussperren.

Wie funktioniert ein Trockenanzug?

Ein Drysuit ist im Grunde nur eine wasserdichte äußere Schicht. Von alleine halten diese Anzüge dich allerdings nicht warm. Mit einem Trockenanzug musst du auf das Zwiebelprinzip setzen. Mehrere übereinander liegende Schichten halten dich warm, weil die zwischen den Schichten eingeschlossene Luft sich erwärmt und deinen Körper auf diese Weise von den Außentemperaturen isolieren.

Als erste Schicht bietet sich synthetische Unterwäsche oder Unterwäsche aus Wolle an. Bei der darüber liegenden Schicht solltest du auf Fleece setzen. Feuchtigkeitsabsorbierende Materialien wie beispielsweise Baumwolle würden deinen Schweiß aufsaugen und ein unangenehmes Gefühl zurücklassen.

Ein Vorteil des Zwiebelprinzips ist, dass du mit der Dicke und der Anzahl an Schichten experimentieren kannst, um deinen persönlichen Wohlfühlpunkt zu finden.

Welche Vorteile hat ein Trockenanzug?

Der größte Vorteil von Drysuits steckt bereits im Namen. Mit Trockenanzügen bleibst du beim Kajakfahren trocken. Spritzwasser kann dir nichts anhaben und auch bei einem spontanen Wassergang bleibst du garantiert trocken und warm.

Ein weiterer Pluspunkt von Trockenanzügen ist, dass du dich mit der Anzahl und der Dicke der einzelnen Schichten auf die Außentemperatur abstimmen kannst.

Fazit

Für was entscheidest du dich jetzt? Sind Trockenanzüge oder Neoprenanzüge besser für Kajakfahrer? Die Wahl Trockenanzug oder Neoprenanzug ist nicht einfach. Tatsächlich gibt es keine per se bessere Art von Anzügen.

Womöglich kann dir diese Faustregel weiterhelfen: Wenn für dich okay ist, nass zu werden, solltest du zu einem Neoprenanzug greifen. Planst du Wildwasserfahrten oder willst dich mit dem Kajak in Wellen stürzen, ist ein Neoprenanzug die bessere Wahl. Wer beispielsweise beim Kajakangeln lieber komplett trocken bleiben möchte, sollte auf einen Trockenanzug setzen. Dieser hält die Feuchtigkeit gänzlich ab und deinen Körper trocken.


Quellen

[1] http://www.die-reise-apotheke.de/temperaturauswirkungen_kaelte.html

[2] https://flexikon.doccheck.com/de/Hypothermie

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