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Segeln lernen kostet – (nur) Zeit. Und macht schlau und schön.

Segeln ist in. War es schon immer – seit Beginn der Spaß- und Freizeitgesellschaft. Und zumindest zum Anschauen – schön. Wenn mit kehliger Stimme der Stewart Rod sein „I am Sailing“ aus dem jeweiligen zeittypischen Tonträger schmachtet, dann funktioniert das noch heute.

Selbst bei James Bond geht es ums Segeln: Nach einer Spirit 54 aus „Casino Royale“ von 2006 kleidet jetzt eine neue „Spirit“ den 007 ähnlich perfekt wie sein Smoking: Hier mahagonischwer, mit pfeilscharfem Steven und schwindelerregend weit überhängendem Heck, an dem die „Red Ensign“ – die zivile Schiffsflagge des Königreichs – flattert. Der Mann liebt halt den soliden, klassischen Auftritt, kein Zweifel.

Aber selber das Segeln lernen? Warum? Oder – warum nicht!

#1 Jeder Mensch kann segeln

Zwei grundsätzliche Leitsprüche zu diesem Thema haben sich längst durchgesetzt:
Der Vogel fliegt. Der Fisch schwimmt. Der Mensch segelt. UND: Segeln lernt man am besten auf alten Schiffen. SOLL heißen: Jeder Mensch kann segeln und es braucht dazu kein High-Tech-Super-Performance-Sailing-Schiff.

#2 Segeln lernen Kinder am schnellsten

Segeln lernt man, wie viele andere Sportarten auch, natürlich am einfachsten als Kind. Am besten mit acht, neun Jahren. Eltern suchen sich für ihre Kids einen Segel-Club in der Nähe und melden die Jüngsten zu einem Schnupper-Training an.

Hier will der Segellehrer lediglich sehen, ob den Kinder das Bewegen auf dem Wasser auch Spaß macht.

#3 Wer segeln lernen will, muss schwimmen können

ABSOLUTE Voraussetzung: Die zukünftigen Wassersportler müssen unbedingt schwimmen können (mindestens Seepferdchen).

#4 Segeln lernen kosten (wenig oder) kein Geld

KEINE Voraussetzung: Geld. Die Kinder brauchen weder ein eigenes Boot, noch eine Schwimmweste noch eine Club-Mitgliedschaft. Auch das Probe- und anschließende wöchentliche Training sind kostenlos. Wetterfeste (Alltags)Kleidung und eine Mütze reichen aus.

Noch angenehmer gestaltet sich der angebliche Sport (nur) für Reiche, wenn die Segel-Eleven sich ein wenig in Richtung Regatta-Sport entwickeln. Wenn der Begriff vom „gepampert werden“ seine Berechtigung hat, dann hier. Ein Club stellt ALLES. Hintergrund: Existenzielle Nachwuchssorgen!

Aber nicht jeder hat das Glück, die Möglichkeit oder die einsichtigen Eltern – und muss stattdessen in jungen Jahren so kruden sportive Aktivitäten nachgehen, wie mit zehn anderen einem Ball hinterherzurennen, um diesen mittels Fuß- oder Kopfkontakt in ein, zwischen zwei Aluminiumstäben gespanntes Netz, zu befördern.

Aber schließlich ist man dann ja erwachsen – und will segeln lernen.

#5 Segeln lernen braucht Zeit

Die finalen Gründe für eine solche Entscheidung liegen dabei sicherlich immer im Privaten – die endlichen Auswirkungen sind dann allerdings allgemein: Segeln macht süchtig! Wer es einmal gelernt hat, kommt nie wieder davon los.

Grundsätzlich kannst du diesen Sport an jedem Gewässer erlernen. UND: Ein Schiff wird erst einmal auch nicht benötigt. Zumindest kein eigenes. Auch musst du in der ersten Zeit keine kostenintensiven Ausstattungsgegenstände kaufen.

Das einzige, was du wirklich brauchst, ist: ZEIT.

Wenn du unter der Woche oder zumindest an einigen Wochenenden keine Zeit hast, dann kannst du die ganze Geschichte auch sein lassen. Dafür ist der Aufwand einfach zu hoch. Wenn das klar ist, dann gibt es nichts, was gegen den Sport am Wind spricht.

#6 Fürs Segeln Lernen musst du nicht fit sein

Sonderlich fit musst du nicht sein. Ein paar Kilo schaden nicht. Ein super Sehvermögen wird auch nicht verlangt und körperliche Nachteile sind ebenso zu vernachlässigen. Selbstverständlich ist das Geschlecht oder die Zugehörigkeit zu einem absolut nebensächlich. Ebenso wie das Alter. Egal ob das wahre oder gefühlte!

ALSO: Schnuppern geht immer! UND: Die schönste Sportart der Welt solltest du auch in der schönsten Zeit deiner Welt erlernen – also im Urlaub. Und dafür brauchst du noch nicht einmal alle Tage zu nehmen. Also ab in den Süden oder im Land bleiben. Deutschsprachige Lehrer gibt es überall.

#7 Lerne Segeln von Profis – nicht von gutmeinenden Freunden

Ein Tipp am Rande: Es gibt immer die „guten Freunde“, die dir etwas beibringen wollen. Zumindest im Bereich Segeln ist von diesen unterstützenden Maßnahmen abzuraten, weil sich semipädagogisch vermittelte Fehler sehr schlecht wieder revidieren lassen. Noch schlimmer: Durch eine (auch fachlich) falsche Vermittlung kann es dazu kommen, dass du den Spaß an diesem Sport für immer verlieren kannst.

In diesem Zusammenhang sind ganz besonders angehende Seglerinnen gewarnt! Der Bekannte, der Kollege, der dir in den wirklich besten und lauternsten Absichten das Segeln beibringen will – das geht in den seltensten Fällen gut.

Also doch Segel-Schule. Hört sich nach Arbeit an – ist aber keine. Hier kannst du dich zwischen zwei Methoden entscheiden: die Fan-Fraktion oder die eher konservative, gesetzlich vorgeschriebene Phalanx.

Der Hintergrund: Am Ende der Ausbildung soll die Prüfung zu einem SCHEIN stehen. Das Paradoxon: Grundsätzlich brauchst du gar keinen „Führerschein“ – solange du nicht mit einem Schiff mit über 20m Länge und einem Motor von über 15PS durch die Wellen pflügst. Es ist auch völlig egal, ob du mit deiner Yacht durch die Ostsee saust, zwischen Föhr und Sylt unterwegs bist oder einen Stausee in Thüringen besegelst.

Wenn es nur darum geht, dass du Segeln lernen willst und einen ersten Eindruck von diesem faszinierenden Sport haben möchtest – dann ist tatsächlich ein Kurs im Rahmen einer VDWS-Schule (Verband Deutscher Wassersport Schulen e.V. / Association of German Watersports Schools e.V.) zu empfehlen.

Dieser Verband ist weltweit aufgestellt und in allen guten Ferien-Ressort-Clubs installiert. Diese Fanny-Teams gebe dir ein schmales, aber großformatiges, buntes Heftchen in die Hand und zeigt dir innerhalb von 12 Stunden (in der Regel auf vier Tage geteilt), was dich auf einem Bötchen um die 7 m Länge erwartet und was du damit so anstellen kannst.

#8 Starte mit einer (Kiel-)Jolle

Die kleinen Yachten sind dabei sowohl in Ausstattung als auch in der Stabilität recht unterschiedlich. Empfehlenswert ist sicherlich, wenn du nach einer kenter sicheren Kiel-Jolle fragst. Die „Dinger“ können aufgrund ihrer Bauweise nicht umfallen und bieten im Inneren auch ausreichend Platz.

Hier lernst du, wie die kleine Yacht geradeaus und/oder um die Ecke gelenkt wird. Wie du sicher vom Steg ab- und anlegst und was du mit dem ganzen Segelkram machen musst, damit das Zeugs nicht ständig im Weg rumliegt.

Dann lernst du noch einige seemännisch relevanten Knoten, die Bezeichnungen aller „Strippen“ und die auf dem Wasser gültigen „Vorfahrtsregeln“ – die es so eigentlich gar nicht gibt.

Nach dieser Woche hast du dann den VDWS-Segelschein für Jollen (nicht für Katamarane!) und bekommst an tatsächlich weltweit allen Stationen dieses Verbandes eine Jolle ausgeliehen. Hier gibt es zwar eine theoretische- als auch eine praktische Prüfung – die allerdings von deinem Segellehrer abgenommen wird. Und welcher Trainer kann schon zugeben, dass sein eigenes Coaching nicht getaugt hat?

Deshalb: Das ist tatsächlich der reine Hobby-Bereich: Du kennst keine Boje, keine Tonne, keine Beleuchtung, hast keine Ahnung von Navigation oder Gesetzeskunde. Und eine Yacht außerhalb des VDWS chartern geht damit natürlich auch nicht.

#9 Wenn es Zeit ist, mache den Sportbootführerschein Binnen

Willst du den Dingen wirklich auf den Grund gehen, kommst du am Deutschen Segler Verband e.V. nicht vorbei. Das ist dann schon ein ganz anderer Schnack. Hier wird ein sehr umfangreiches Paket vermittelt, dass dann zu dem SBF Binnen (Sportbootführerschein Binnen) führt.

Dieser Befähigungs-Nachweis ist einem PKW-Führerschein vergleichbar. Nur ist der theoretische Teil bei weitem nicht so umfangreich.

#10 Lasse dir Zeit beim Theorieteil

Wie du dich auf diesen „Stoff“ vorbereitest und welchen zeitlichen Umfang du benötigst, ist absolut individuell. Einen allgemeinen zeitlichen Rahmen zu benennen, ist einfach unseriös, weil jeder anders lernt. Am Ende wird sowohl die praktische – als auch die theoretische Prüfung von einem staatlich vereidigten Externen abgenommen.

Nicht zu vergessen und kannst du auch für die Segelausbildung nutzen – ist aber eher für Motorbootfahrer geeignet: Der Verband Deutscher Sportbootschulen e.V. Der VDS hat zum Ziel, die Ausbildungsqualität in den Wassersport- bzw. Sportbootschulen zu sichern und somit eine gute Grundlage zu schaffen, den Einsteigern und den Fortgeschrittenen die Freude und Sicherheit in ihrer Wassersportart zu vermitteln.

Die über 200 Mitgliedsschulen im VDS arbeiten mit ausgebildetem Lehrpersonal, ordentlichem Material und soliden Ausbildungsbooten, stehen ihren Schülern mit Rat und Tat zur Seite und bilden zusammen mit den Schülern ein gutes Team.

#11 Segeln ist für jeden da

Entgegen allen Vorurteilen ist segeln für jeden da! Es ist einfach zu lernen und kostet – nur Zeit. In Deutschland und der Welt gibt es fachlich ausgereifte Unterrichtsmöglichkeiten und geschultes, ambitioniertes Personal.

Segeln macht schlau und schön. Das gedankliche Arbeiten auf drei Ebenen (Wasser, Wind, Boot) schult und die Körperlichkeit an Sonne und Wind hält extrem fit, ohne tatsächlich anzustrengen, weil du alles mit Technik und Gefühl ausgleichen kannst.

Es muss auch nicht immer die „Röhre“ aus dem Londoner Highgate sein: Joan Beaz ist auch gut:

(…)

We are sailing, we are sailing
Home again
‚Cross the sea
We are sailing
Stormy waters
To be near you
To be free
Oh, Lord, to be near you, to be free

(…)

Studierter Redakteur. Autor von Reiseführern. Seit vielen Jahre als Regatta-Segler und Surfer national und international am Start. Trainer- und Ausbilderlizenzen für Jolle, Cat und Surf. Ausbilder für SBF Binnen und SBF See. Motto: Ein Tag ohne See - ist kein guter Tag.

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