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Es dürfte kaum ein Gewässer in Deutschland geben, an dem sich die Geister der Segler so scheiden wie am Steinhuder Meer. Für die einen ist es ein brillantes Wasser, zum Segeln lernen und auf dem auch bei viel Wind das Können ausprobiert oder trainiert werden kann.

Für die anderen ist schon der Name ein billiger PR-Gag. Ein Gewässer, das du zu Fuß überwinden kannst, erscheint per se als Segelrevier vollkommen indiskutabel. Für eine dritte Gruppe kommt dieses Gewässer schon deshalb nicht infrage, weil hier mehr Verordnungen und Reglementierungen greifen als ausgeübter Wassersport vor dem Reichstag.

Warum du uns vertrauen kannst

Der Autor dieser Zeilen glaubt, ein gesichertes Urteil abgeben zu dürfen, weil er mehrere Jahre am Steinhuder Meer als Segellehrer, als Regatta-Segler und als Journalist seine Freude gehabt hat und hier sogar beinahe hängengeblieben wäre.

Das Steinhuder Meer ist ein Paradies für Wassersportler und findet sich direkt vor der „Haustür“ der Landeshauptstadt Hannover. Damit beginnen schon die ersten Probleme, denn Politiker wie Einheimische der Hauptstadt und die des Landes Niedersachsen sind sich bei weitem nicht immer grün.

Segel-Verbote am Steinhuder Meer

Grün ist allerdings die Regierung, was mitunter dann zu weiteren „Irritationen“ der Meers Bewohner führt.

Wäre das Befahrensverbot von Motorbooten noch hinnehmbar – trotz der ausdrücklichen Beschränkung auf den Individualbereich, stößt ein weiteres Verbot aus Hannover seit Jahren auf Unverständnis und Widerstand.

Das Steinhuder Meer ist für alle Wassersportler nur vom 20. März bis zum 31. Oktober befahrbar.

Außerhalb dieser Zeit, also fünf Monate lang, gilt das sogenannte Winterfahrverbot. Dagegen sind die vorgeschriebenen Segelscheine eher ein Klax.

Warum das Steinhuder Meer fürs Segeln so gut ist

Das Steinhuder Meer gehört zu den attraktivsten Freizeitzielen der Region. Neben dem Reiten und Golfen kannst du hier Baden, Segeln und Surfen. Mit 32 Quadratkilometern ist das Steinhuder Meer der größte See Nordwestdeutschlands.

Die durchschnittliche Tiefe von 1,35 m macht ihn allerdings eher zu einer Pfütze, die sich gegen Ende der letzten Eiszeit vor etwa 14.000 Jahren ausformte.

Aber: Bekanntlich kann man ja auch in einer Pfütze ertrinken – z.B. wenn deine Jolle kentert. Um diese Gefahren abzuwehren, gelten auf diesem Meer auch alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen.

Scheine fürs Segeln auf dem Steinhuder Meer

Vorbei die (schönen) Zeiten des sogenannten „Dornkart-Schein“ – gab´s am Tresen der „Hafenklause“ und der Prüfer bekam ein Glas ausgegeben. Dann kam die Zeit, wo nur die SBF Scheine zum Segeln befähigten.

Dass zur gleichen Zeit auch VDWS-Scheine unterrichtet und verkauft wurden, bemerkt man wahrscheinlich deshalb nicht, weil es keinen kontrollierenden Wasserschutz-Posten auf diesem Meer gab.

Das scheint dann aber doch aufgefallen zu sein und eigentlich sollten Segler und Surfer vom 1. April 2007 an dann ganz ohne jeden Führerschein auf dem Steinhuder Meer fahren können. Damit wollte man den Wassersport so weit wie möglich liberalisieren.

Die Kritiker sahen allerdings die Sicherheit auf dem Wasser in erheblichem Maße gefährdet, wenn sich Segler und Surfer je nach „eigener Einschätzung der persönlichen Fähigkeiten“ auf dem Wasser tummeln sollten.

Die besorgten Entscheidungsträger aus Hannover(!) nahmen die freie Verordnung schließlich wieder aus dem Programm. Laut Gewässerverordnung für Steinhuder Meer und Dümmer See ist damit bis heute ein Segelschein Pflicht.

„Ein Fahrzeug darf nur führen, wer einen gültigen, mit Lichtbild versehenen Befähigungsnachweis für das entsprechende Fahrzeug hat“. D. h. für eine Jolle brauchst du einen Jollenschein, für ein Katamaran einen Katamaranschein und für ein Surf-Bord einen passenden Schein.

Laut §6 gelten die Scheine:

  • einer staatlichen Seefahrtschule
  • des Deutschen Segelverbandes e.V. (DSV)
  • des Allgemeinen Deutschen Hochschulsportverbandes (ADH)
  • des Verbandes Deutscher Sportbootschulen e.V. (VDS)
  • des Verbandes Deutscher Wassersport Schulen e.V. (VDWS)
  • Vereinigte Ausbildungsverbände Windsurfen (VAW)
  • der des Royal Yachting Association (RYA)
  • Sportbootführerschein Binnen
  • Sportküstenschifferschein (SKS)

Steinhuder Meer Segelboot chartern

Aufgrund der großen Zahl von Segelbooten ist im Laufe der letzten Jahrzehnte eine kleine „weiße Industrie“ rund um den Segelsport entstanden. Ums Steinhuder Meer herum finden Segler alle Formen von Handel und Dienstleistungen vor, die sie sich wünschen.

Stegbetreiber, Wassersportgeschäfte, Bootsverleihbetriebe und Segelschulen haben sich auf die Bedürfnisse der Segler eingestellt.

Am Meer teilen sich das Charter-Geschäft vier Betreiber, von denen sich drei am Nordufer befinden. Das bedeutet, dass du vom Örtchen Steinhude kommend um den halben See fahren musst. Quer durch geht auch. Es wird ein Fährbetrieb angeboten.

Zum Segeln lernen bietet sich allerdings ausdrücklich die Südseite des Meeres an: Im geschützten Revier der Großenheidorner Bucht findet sich ein extrem sicherer Segelschulstandort, der gerade für ungeübte Kinder und z.B. im Urlaub zu empfehlen ist.

Hinweis: Noch vor einigen Jahren war es fast ausgeschlossen, am Steinhuder Meer einen Stegliegeplatz mieten zu können. Wegen der extrem starken Nachfrage aus Hannover (Firmensitze u.a. von Continental, VW Nutzfahrzeuge), aber auch aus West-Berlin (die, die nicht im „Osten“ segeln wollten oder durften) wurde entsprechende Plätze vererbt. Diese „Lage“ hat sich mittlerweile Verbraucher freundlicher gewandelt.

Sport-Segeln auf dem Steinhuder Meer

Das Meer ist hervorragend für Wettfahrten geeignet, weil die Größe und Form der Wasserfläche für faire Bedingungen sorgen. Daher finden auf dem Meer im Jahr durchschnittlich 40 Regatta-Serien, Deutsche Meisterschaften und sogar Europameisterschaften in den verschiedensten Bootsklassen statt.

Die Regatten werden von der Wettfahrtvereinigung Steinhuder Meer (WVStM) in Schirmherrschaft durchgeführt, in der 24 anliegende Segelclubs organisiert sind. Die zahlreichen Segelvereine bieten aber auch Mitgliedschaften an – mit großzügigen, gepflegten Clubanlagen sowie guten Parkmöglichkeiten auf eigenem Clubgelände in direkter Zentrumsnähe von Steinhude.

Regionale maritime Besonderheiten

Die Segler-Kultur hat am Steinhuder Meer einige Besonderheiten hervorgebracht. Prominentestes Beispiel ist die Postboje. Kein Seemannsgarn – es gibt sie wirklich.

Vor dem Mardorfer Ufer, etwa 700 Meter südöstlich der Neuen Moorhütte, ist eine Postboje verankert. Sie wird einmal pro Woche geleert. Einwerfer werden mit einem seltenen Poststempel belohnt!

Steinhuder Meer & die „Auswanderer“

Dir werden auf dem Meer unweigerlich hier typisch Holzboote von neun bis elf Meter Länge unter Segeln / Motor begegnen. Bestückt mit (in der Regel) Bierseeligen 25-30 Personen. Diese Boote verkehren nach festen Fahrplänen zwischen dem Örtchen Steinhude, der Insel Wilhelmstein, der Jugendherberge in Mardorf oder der Weißen Düne.

Aber warum heißt ein „Auswanderer“ eigentlich Auswanderer? Ein kurzer Ausflug in die Historie klärt das: Um 1925 wurden viele Fahrten auf dem Steinhuder Meer nicht nur zur Insel Wilhelmstein, sondern auch zum Nordufer, zum Weißen Berg (heute Weiße Düne), gefahren.

Das Nordufer stand damals unter preußisch-hannoverischer Verwaltung, während das Südufer um Steinhude zu Schaumburg-Lippe gehörte. Segelte man diesen Törn, „wanderte“ man also von dem einen „Land“ in das andere „Land“ aus. Diese in Europa einzigartigen Holz-Schiffe sind natürlich der Berufsschifffahrt zuzurechnen und haben auf dem Meer Wegerecht (Vorfahrt).

Festung Wilhelmstein

Wer erstmalig auf dem Steinhuder Meer segelt, staunt über eine Festung, die sich vor dem Ost-Ufer aus den Wellen erhebt. Einst als uneinnehmbare Festung gebaut, diente der Wilhelmstein als Militärschule und Forschungszentrum, war später eine ausbruchssichere, düstere Gefängnisinsel.

Von Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippe ab 1761 errichtet, birgt die kleinste bewohnte Insel Deutschlands so manches Geheimnis: Das erste Unterwasserboot der Welt, der „Steinhuder Hecht“, wurde hier als Prototyp entwickelt.

Sobald du mit dem deinem Boot anlegt hast, kommen unweigerlich romantische Gedanken. Und heiraten kannst du hier auch – aber auch Insel-Vogt. Viel gibt es nicht zu verwalten: Jede Seite des Wilhelmsteins ist gerade mal 120 Meter lang.

Badeinsel in der Nähe von Steinhude

Gerade Segler sollten diese künstliche Insel am Südufer kennen. 1975 unmittelbar am Ort Steinhude aufgeschüttet, bietet die 3,5 Hektar viel Vergnügen für Badelustige. Im Nordosten der Insel befindet sich ein 100 Meter breiter Sandstrand mit rund 5000m² Fläche.

Das Ufer bildet hier eine kleine Bucht. Der Rest der Insel besteht überwiegend aus Rasenflächen und Buschwerk, doch Baumgruppen und kleine Haine, die die gesamte Insel durchziehen, geben der Insel ein parkähnliches Aussehen.

Die Bäume sind zwar maximal 40 Jahre alt, haben bisweilen jedoch schon eine beeindruckende Höhe. Am Westufer der Insel gibt es größere Schilfbestände. Das heißt – die Windabdeckungen sind beträchtlich! Das Ufer selber ist weniger gefährlich, denn ausgerechnet das Aufspühlen der in Insel führte zu einer Vertiefung des Sees in Inselnähe auf etwa 1,5m.

Steinhuder Meer in Flammen

Zweifelloser Höhepunkt der Saison am Meer und der angrenzenden Region ist zweifellos das Festliches Wochenende – genannt „Steinhuder Meer in Flammen“. Im Mai jeden Jahres wird an einem vorher bestimmten Wochenende ein exklusives Feuerwerk abgebrannt.

Und: Alles, was schwimmfähig ist, versammelt sich auf der Wasserfläche vor dem Ort Steinhude. Eine Riesenfreude und ein großer Spaß, den du allerdings nicht übertreiben solltest. Hier normalerweise nicht stationierte, plötzlich auftauchende und (Alkohol) kontrollierende Wasserschutzpolizei kann da schnell zum Party-Killer werden.

Segeln auf dem Steinhuder Meer im Winter

Auf den ersten Blick paradox, aber stimmt tatsächlich: Auf dem Meer gilt eine fünfmonatige Winterpause – zum Schutz der Tier- und Pflanzenwelt. Ab Oktober also kein surfen, kein segeln, kein kiten.

Aber: Wenn dann im Winter das Eis kommt – dann ist tatsächlich das Eissegeln erlaubt! Und wer das einmal gemacht hat, weiß, das macht einen Höllenspaß – aber auch einen Höllenlärm. Versteh` diese Regelungen, wer will…

Fazit

Extrem einfaches Revier. Gut entwickelte Infrastruktur. Einmal im Jahr gibt es eine Riesen-Party. Sonst viele Verbote.

Am Steinhuder Meer stehen mit Stand 2019 neun offizielle Stellen für das Ein- und Aussetzen von Sportbooten zur Verfügung.

  1. Das Befahren des Steinhuder Meeres ist nur vom 20. März bis 31. Oktober jeden Jahres erlaubt. Lediglich der mit roten Bojen gekennzeichnete Bereich der Surfeinsatzstelle Mardorf darf bis zum bis 15. November zum Surfen und Kite-Surfen befahren werden.
  2. Kite-Surfen ist außerhalb der Surfeinsatzstelle Mardorf verboten.
  3. Das Einsetzen und Anlegen von Booten ist nur in Häfen, an Stegen oder an Kran- und
    Slipanlagen sowie für Kanuten und Ruderer an den in der Karte gekennzeichneten Stellen gestattet.
  4. Außerhalb von Hafenanlagen dürfen Boote und Surfbretter nicht im Uferbereich gelagert oder abgestellt werden.
  5. Die in der Karte rot schraffierten Naturschutzgebiete dürfen nicht befahren oder betreten werden. Rote Bojen bilden die wasserseitige Grenze der Naturschutzgebiete.
  6. Das Befahren von Röhrichten, Seggenbeständen und Schwimmblattgesellschaften, wie z.B. Seerosenfeldern, ist verboten.
  7. Es ist nicht erlaubt, mutwillig Tiere zu beunruhigen oder zu fangen und Pflanzen zu entnehmen.
  8. Nachts (d.h. eine Stunde nach Sonnenuntergang bis eine Stunde vor Sonnenaufgang) ist das Befahren und Ankern untersagt.
  9. Die mit roten Bojen gekennzeichneten Badestellen in Steinhude und Mardorf dürfen nicht befahren werden.
  10. Die Surfeinsatzstelle in Mardorf darf ausschließlich zum Surfen und Kite-Surfen befahren werden. Dieser Bereich ist ebenfalls mit roten Bojen gekennzeichnet.
  11. Das Heranfahren an die durch senkrechte Holzstangen gekennzeichneten Reusen Standorte ist nicht zulässig. Zudem ist das Festmachen an Tonnen, Bojen, Stangen oder Beobachtungseinrichtungen nicht erlaubt.
  12. Jede Person hat sich so zu verhalten, dass andere nicht geschädigt, gefährdet, behindert oder belästigt werden. Bitte vermeiden Sie ruhestörenden Lärm sowie das Beschädigen von Beobachtungseinrichtungen.

Studierter Redakteur. Autor von Reiseführern. Seit vielen Jahre als Regatta-Segler und Surfer national und international am Start. Trainer- und Ausbilderlizenzen für Jolle, Cat und Surf. Ausbilder für SBF Binnen und SBF See. Motto: Ein Tag ohne See - ist kein guter Tag.

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